druckkopf

Grenzenlos wandern
Etappen
Gold
 
gegangen: 2.+3 Tag (22.5.2018)
Eschenlohe-Weilheimer Hütte:
5 Std. , 1307 Hm, entspricht via alpina bis Esterbergalm
Karte: Kompass 290/2
Weilheimer Hütte-Bahnhof Garmisch-Partenkirchen:
3x1,5 Std. = 4,5 Std
Eschenlohe-Bahnhof Garmisch-Partenkirchen
gesamt: 9 Std, 23,6 km, 1686 ↑↓1529HM
Etappenverlauf und Höhenprofil
 
Ab jetzt geht es in die Berge, die man bisher nur aus der Ferne gesehen hat. Die Tour ist bis Garmisch in einem Stück zu schaffen, ist aber ein sehr ordentliches Stück Arbeit. In 2 Etappen bietet sich Zeit an schönen Rastplätzen den Akku wieder aufzuladen und der eine oder andere „Einkehrschwung“ ist dann auch machbar.
 
Dieses Stück Weg bis zur Esterbergalm ist Teil der Via Alpina und somit eigentlich gut gekennzeichnet. Beim letzten mal als ich den Weg gegangen bin, war dem noch nicht so.
 
Los geht es am Brückenwirt in Eschenlohe, resp. an der Eschenloher Loisachbrücke. Über die Brücke rüber und gerade aus die Krottenkopfstraße weiter.

Haus Geierhorst in Eschenlohe. Foto HJHereth
Recht bald kommen wir an das schöne alte Haus, den Geierhorst, der uns thematisch zu Wilhelme von Hillern führt, die uns auf dem ganzen Weg immer wieder begleiten wird. Geier scheint es hier wohl vor allzulanger Zeit auch gegeben haben. Weiter die Krottenkopfstraße bis sie sich vergabelt. Hier findet sich ein Hinweisschild zum Alpenhotel Wengerer Hof. Auch hier gibt es Einzelzimmer – auch für eine Nacht – nur etwas teurer als im Brückenwirt, dafür gediegener. Nicht links sondern rechts halten Richtung Wanderparkplatz. Wir folgen der breiten Forststraße bis wir nach ca. ½ Stunde Gehzeit an eine Gabelung kommen. Die Via Alpina über den Hahnbichlsteig zweigt rechts ab und ist mit 5 Stunden bis zur Weilheimer Hütte am Krottenkopf ausgeschildert, auf der Forststraße sind es 6 Stunden. Der Hahnbichlsteig ist als nur „für Geübte“ ausgewiesen, den man nachts und bei Nässe nicht gehen sollte. Er ist mittlerweile gut markiert (roter Punkt mit weißem Rand) und hat nur an wenigen Stellen „Steigcharakter“, dann wird er aber ziemlich gach. Meistens führt er an alten Wirtschaftswegen entlang. Besonders anspruchsvoll und nur für „Geübte“ geeignet fand ich ihn aber nicht.
 
Ich bin allein, die Vögel singen und es geht durch einen schönen lichten Fichten- und Buchenmischwald. Es hat nicht geregnet, also ist die Warnung an den Schildern (nicht bei Nässe begehen) zu ignorieren. Nach ca. 1 Stunde sieht man am Gegenhang das Schloß Wengwies, um das sich viele Gerüchte um das sog. „Nazigold“, das im Walchensee versenkt oder am nahe gelegenen Steinriegel versteckt wurde, ranken. Es ist immer noch in Familienbesitz und kann nicht besichtigt werden ebensowenig wie die Jagdhütte von Hermann Göring.
 


Jagdhütte Pustertal unterhalb der Hohen Kiste. Foto HJHereteh
Nach ca. 2 ½ Stunden kann man durchschnaufen und an einer Jagdhütte Rast machen und die Aussicht zum Walchensee hin genießen. Geht man aber noch eine Vietelstunde länger kommt man zu der Pustertal Jagdhütte (eigentlich sind es 2) mit einer schöner Blumenwiese und der Aussicht auf den Anstieg zur Hohen Kiste. Ein kleines Eiland inmitten der Latschen. Und enen Brunnen hat es auch noch. Ab jetzt bis zur Weilheimer Hütte ist das der schönste Wegteil.
 
Hier wird es ein wenig kitzlig bzw. unübersichtlich. Durch die Latschen führen viele Wege. Man muss versuchen auf dem breitesten zu bleiben, dann findet man auch die roten Markierungen, die hier aber ziemlich verblasst sind. Wenn sich die Wege wieder einigermaßen vereint haben,  trennen sie sich auch schon wieder. Unbedingt rechts halten, sonst kommt man am Möslgratl raus und muss entweder unterhalb der Wand in den Schotterfeldern frei trasieren oder auf dem Weg weiter zum Jagdhaus im oberern Michlfeld gehen.

Aufstieg durch das Schotterfeld zur Hohen Kiste. Foto HJHereth
Also rechts weiter durch die Latschen und auf Serpentinen die Schotterhänge hinauf zum Grat, der uns von der Hohen Kiste trennt. Jetzt nach knapp 4 Stunden Gehzeit kann man hier eine weitere Rast einlegen. Bleibt man auf der gegangenen Seite hat man den Blick ins Voralpenland mit seinen Seen und sieht auch ganz gut den gestern gegangenen Römerweg. Lässt man den Blick nach links schweifen, sieht man Teile des Walchensees. Rastet man jenseits des Grats hat man dem Blick zum Tagesziel den Krottenkopf mit der Weilheimer Hütte. Auf dieser Seite weisst ein Schild wieder auf die verschiedenen Gehmöglichkeiten. Zum Krottenkopf geht ein schmaler Weg, der sich oberhalb des im Sommer bewirtschafteten Oberen Michelfeld und dem Angerboden auf fast gleicher Höhe entlang schlängelt, zur Weilheimer Hütte. Kurz nach der Rast weist ein Schild zum Gipfel der Hohen Kiste. Hat man auf der Gehseite das Hochplateau, fallen die Gipfel des Estergebirges zur Lousachseite hin schroff ab.
 
Nach einer weiteren Stunde Gehzeit ist die Weilheimer Hütte erreicht. Die unten angekündigten 5 Stunden hat man also eingehalten. Jetzt stellt sich die Frage, ob man den Tag hier beschließt oder weiter geht. Ich hatte immer schlechte Erinnerungen an diese Hütte (zu heiß, zu nass, Hungerast etc.). Für mich langt ein Getränk und eine Suppe. Dann doch lieber weiter. Bleibt man hier und hat am nächsten Morgen schönes Wetter sollte man sich den Sonnenaufgang auf dem Krottenkopf nicht entgehen lassen. Diese 150 HM sind der Morgenspaziergang mehr als wert.
 


Weilheimer Hütte mit Krottenkopf. Foto HJHereth
Ab der Weilheimer Hütte bliebt man auf der Via Alpina Richtung Esterbergalm. Am Gegenhang des Bischofs kann man schön die Erdfaltungen während der Entstehungszeit der Alpen erkennen. Bis zur Esterbergalm sind es eineinhalb Stunden, die an Bergahornen und schönen Wiesen entlangführen. Zeit für die nächste Rast. Hier gibt es einen berühmt berüchtigtig guten Kaiserschmarrn. Hat man auf der Weilheimer Hütte übernachtet kann, man sich dazu auch ein Weißbier genehmigen.
 


Bischof. Foto HJHereth
War es bisher ruhig und man eher alleine auf weiter Flur, wir es spätenstens mit dem Eintritt auf die Forststraße zur Esterbergalm bzw Richtung Wallgau (Finzbach) wuselig. Bis zur Esterbergalm schaffen es viele Menschen – auch mit Hilfe der Wankbahn. Und amitionierte Mountainbiker klingeln einen gerne in die Wiesen. Doch unter der Woche ist es angehmen ruhig.
 
An der Esterbergalm für ein Weg durch die Wiesen zum Gschwandtner Bauer, vorbei an einer Meßstation die Langzeitwerte zur Klimmaerwärung aufzeichnet. Weitere 1 ½ Stunden soll der Weg dauern. Auch dieser Wegabschnitt bis zum Gschwandt ist ein ausgesprochen schöner Weg, wenn sich denn nicht gerade ein Mountainbiker erdreistet, diesen hierfür eigentlich verbotenen Weg fahren zu müssen.
 


Bergahorn. Foto HJHereth
Zunächst führt der Weg am Kaltwassergraben mit seinem Bach und vielen kleinen Gumpen wieder etwas bergauf, bevor es nach dem Abzweig zum Wank wieder talabwärts geht. Ein schmaler schöner Schluchtenweg, der nun wirklich für Mountainbiker ungeeignet ist.
 
Der Gschwandter Bauer war für mich immer ein Ruhepol inmitten des geschäftigen Freizeitlebens von Garmisch-Partenkirchen. Die betreibende Familie sitzt seit langen hier oben, hat auch in hektischen Zeiten die Ruhe weg und ist immer freundlich. Das Essen und Trinken holt man sich an der Küche selbst und bringt auch das Geschirr dorthin wieder zurück. Hier oben gibt es dann auch Gerichte, die man sonst in der Gegend nirgendwo bekommt. Und der Blick auf das Karwendel und das Wettersteinmassiv ist einfach grandios und weist den weiteren Weg.
 
Ein weiteres Bier mehr und der 10 minütige Aufstieg zum Steinbichel wird sehr zäh, zumal wenn es warm ist. Eine Stunde Weg ist es bis zur Gamshütte und eine weitere halbe Stunde bis Partenkirchen weisst das Schild aus. Auch dieser Weg ist, bis er auf die Forststraße stösst schmal. Er duckt sich hinter her baumlosen Weidefläche des Steinbichls ab. Bei meiner Wanderung hatte ich ab der Esterbergalm am Himmel eine Schwarze Wand, aus der es ordentlich donnerte, was meinen Gang sehr beschleunigt hat. Eigentlich grasen auf den Waldstück, durch das der Weg führt Kühe, doch ich war von Pferden begleitet. Wohl war mir nicht, da ich nicht weiss, wie mit ihnen umzugehen hat und auch viel Jungtiere dabei waren. Also lieber über den Zaun steigen und auf der anderen Seite weitergehen, bis einem eine Jägerleiter wieder auf den „richtigen“ Weg leitet. Nun ist es auch nicht mehr weit zum Abzweig zur Gamshütte, die nach dem vernichtenden Feuer gerade wieder aufgebaut wird. Zu dieser kann man über die neue Hacker-Pschorr-Brücke hinübergehen (aber bitte nicht bei Gewitter). Auf der Seite der Gamshütte führt ein Weg oberhalb der Schalmeischlucht zum Abzweig Schalmeibach, an dem entlang man beim Naturfreundehaus ankommt. Sollte man dort keine Übernachtung finden, gibt es am Skistadion das Sport Hostel oder in der Partnachauenstraße das Hostel 2962.
© 2019 • Dr. Hans-Jürgen Hereth • Wertschätzung