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Oberpfalz
Wege des Herrn

Der Wege viele führen zum Herrn

Von Neualbenreuth kann man im Regionalverbund nach Bärnau fahren, um die Wallfahrtskirche „Zum gegeißelten Heiland“ oder das Deutsches Knopfmuseum zu besuchen oder in Mitterteich, Arzberg, Tirschenreuth, Hohenberg oder Selb die daniederliegende deutsche Porzellanindustrie mit ihren Resteshops und ihrer historischen Aufarbeitung („Porzellanikon“) besichtigen.
 
Nicht versäumen sollte man indes die knapp 900 Jahre alte Abtei Waldsassen.

Klosterkirche Waldsassen, Foto HJHereth, www.fluchtwege.eu
An manchen Tagen, wie z.B. zum 875-jährigen Jubiläum des Klosters rockt auch schon mal die männliche Klosterfraktion, der Abtprimas der Benediktiner Notker Wolf mit seiner Rockband Feedback, durch die Gemäuer. Das Kloster wurde 1133 als erste der fünf bayrischen Zisterzienserabteien als adelige Stiftung, der Legende nach unter der Federführung des Heiligen Bernhard von Clairvaux, gegründet. Der Zisterzienserorden zeichnete sich durch eine besonders strenge Befolgung der benediktinischen Mönchsregel aus. Vorbildliche Bodenbewirtschaftung führte bald zu großem Reichtum. So konnte das Kloster die Reichsunmittelbarkeit erwerben und gelangte durch Zukauf und Schenkungen zu weiteren großen Besitztümern. Die durch Europa ziehenden Kriege ließen auch Waldsassen nicht unverschont.
 
Nach dem Abbruch des alten Klosters (1681) entstand in den Folgejahrzehnten der barocke Klosterneubau. Die Stiftsbasilika besitzt Deutschlands größter Kirchen- und Klosterkrypta, von der berühmten Bibliothek (Fertigstellung 1726) ganz zu schweigen. Seine Weltgeltung erhielt das baulichge Gesamtkunstwerk durch die Regaleinbauten des Waldsassener Schreinermeisters Andreas Witt, die 10 lebensgroßen Figuren in den Galeriebrüstungen von Karl Stilp, die verschiedene Facetten des Hochmutes darstellen, die Deckengemälden von Karl Hofreither und die Stukkaturen von Jacob Appiani und F.P. Marazzi. Das Kloster Waldsassen erlebte eine zweite Blüte, in der es zum religiösen und kulturellen Mittelpunkt des Stiftlandes wurde. Das ganze 18. Jahrhundert hindurch blieb das Kloster das geistige, kulturelle und wirtschaftliche Zentrum der Oberpfalz. Nach erneuten Rückschlägen (u.a. durch die Säkularisation) wurde es 1863 erneut, diesmal von den Zisterzienserinnen wiederbesiedelt.

Klosteranlage Waldsassen, Foto HJHereth, www.fluchtwege.eu
Heute kann man im Gästehaus St. Joseph, dem umgebauten ältesten Teil der Klosteranlage, verschieden große Gästezimmer buchen, die der ursprünglichen Zellenaufteilung der Mönche entsprechen, jedoch auf 4-Sterne Niveau und Lift. Leib und Seele können hier auch kulinarisch einkehren. „Ora et labora“- müssen die anderen leisten. Anregen zum Gärtnern oder Kräuterln kann man sich im Naturerlebnis-und Heilkräutergarten des Klosters. Näheres zur weltlichen Kultur der Umgebung kann man im Stiftlandmuseum erfahren. Geistige Nahrung erhält man auch in der Hausbrauerei in Falkenberg. Hier wird das berühmte „Zoigl“ gebraut, ein Bier für das allein schon die Reise lohnt. Und auf Fisch im Land der 1000 Teiche sollte man natürlich auch nicht verzichten. Die vielen Teiche wurden im Stiftland als Nahrungsquelle in kirchlich geregelten Fastenzeiten angelegt. Dass darunter auch der Biber als im Wasser schwimmenden Tier gezählte wurde, und in Schwaben die „Gottsbescheisserle“, die mit Fleisch gefüllten Maultaschen, erfunden wurden, gehört zu den Eigenwilligkeiten gelebten Glaubens. 

Wem die geistigen Anregungen nicht genug, kann auf dem Goldsteig, Deutschlands längsten Qualitätsweg, durch den bayerischen und Oberpfälzer Wald wandern. Meditativer geht es auf der „Via Porta“ dem ökumenischen Pilgerweg zu. Wer die Gegend, zumal die nun offene Grenzregion nach Tschechien, lieber mit dem Rad erkunden will, dem stehen gut ausgebaute und beschilderte Wege wie die „Goldene Straße“ und die „Verbotene Straße“. Erholen kann man sich einem der dies- und jenseits der Grenze befindlichen (Heil-)Bäder, wie dem Sybillenbad in Neualbenreuth.
 
www.mitterteich.de
www.markt-falkenberg.de
www.konnersreuth.de
www.abtei-waldsassen.de oder www.kubz.de
www.goldsteigwandern.com oder www.ostbayern-tourismus.de
www.oberpfaelzerwald.de (Freizeitkarte mit allen Museen, Wegen, Sehenswürdigkeiten und anderen Möglichkeiten der Freizeitgestaltung)
© 2017 • Dr. Hans-Jürgen Hereth • Wertschätzung