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Robert Louis Stevenson
Wanderung

Rent a donkey

Wer heute auf den Spuren Stevensons wandeln möchte, kann das auf dem 252 Kilometer langen, rot-weiß gekennzeichneten Stevenson-Weg (GR 70). Er führt von Puy-en-Velay über vulkanische Massive, karge Landstriche bis hinauf zum 1.308 m hohen Col de Bougès. Das alte Wegenetz, die Maultierpfade und Kutschwege sind noch weitgehend so vorhanden, wie vor knapp 200 Jahren. Und wer die Tour ganz im Stil Stevensons absolvieren will, kann sich auch heute noch einen Esel mieten. Der trägt das Gepäck, sorgt ob seiner Eigensinnigkeit für manche spontane Abweichung vom Programm und wächst seinen Teilzeitbesitzern vermutlich schon bald ans Herz. Rund zehn Tage dauert die Stevenson-Wandertour, und da sie in Frankreich recht beliebt ist, hat sich am Weg eine gute Infrastruktur entwickelt. Kleine Hotels und Pensionen gibt es genug, viele mit Stall oder Weide für den Esel. Eseltrekking hat in Frankreich Tradition. Deshalb sind die Cevennen hier nicht das einzige Eselwandergebiet. Mit dem Esel als Träger lässt es sich zum Beispiel auch in den Westalpen der Provence gut laufen. Ob Tages- oder Mehrtagestouren, mit oder ohne Führer - auch in der Nähe von Gap bieten verschiedene lokale Veranstalter Eselwanderungen an. Ein Genuss für Naturfreunde sind die einsamsten Landschaften Frankreichs ohnehin. Mit dem vierbeinigen Begleiter werden sie aber zu einem unvergeßlichen Erlebnis.
 
Stevenson war ein Abenteurer, den Konventionen kaum kümmerten. Meist schlief er unter freiem Himmel, erlebte Vollmondnächte unter Kastanienbäumen und blutrote Sonnenaufgänge über den scheinbar endlosen Gebirgsketten der Cevennen. Vor allem aber war er damit beschäftigt, seine dickköpfige Begleiterin anzutreiben. Manchmal gelang es ihm nur sie mit Gewalt zum Weitergehen bewegen. Vor allem vor Pfützen und Bächen zeigen sie auch heute noch ihre sprichwörtliche Bockigkeit. Heute, 138 Jahre später, sind die Cevennen ein Reiseziel für Menschen, die die Ruhe suchen. "Le temps perdu", verlorene Zeit, heißt irgendwo unterwegs eine Kneipe. Zeit verliert in dieser Gegend an Bedeutung. Auch Handys erweisen sich in den abgeschiedenen Tälern als nutzlos und abends ersetzt der meist phantastische Blick aus dem Hotelfenster den auf elektronische Geräte.
 
Weiterführende Hinweise und Literatur:
Comité Régional du Tourisme Languedoc Roussillon: www.sunfrance.com
FNAR -Fedération Nationale Anes et Rondonnées : www.ane-et-rando.com
Französisches Fremdenverkehrsamt: http://de.franceguide.com
 
Robert Louis Stevenson: Reise mit dem Esel durch die Cévennen. Aus dem Englischen und mit Anmerkungen versehen von Christoph Lenhartz. Mit 6 Tuschezeichnungen von Marlies Klesse und einer Illustration nach einem Holzschnitt von Walter Crane, der die frühen Ausgaben der »Travels with a Donkey in the Cevennes« zierte (Privatbesitz). edition de Colombe 2001, 156 Seiten, broschiert. ISBN 3-929351-12-9; Preis: EUR 10,50

Aktuell ist ein Wanderbericht von Eberhard Neubronner über den Stevenson Weg in DAV Panorama 2/2017, S.82-86 erschienen. Dort findet sich auch ein Hinweis auf einen gewerblichen Tourenanbieter, der diese Reise anbietet.
© 2017 • Dr. Hans-Jürgen Hereth • Wertschätzung