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Sisi -Kaiserin Elisabeth von Österreich
Wanderung

Zu Fuß und motorisiert auf Sisis-Wegen

Oberhalb von Meran, der ehemaligen Residenzstadt Tirols (nicht Innsbruck!), liegt das Schloss Trauttmansdorff, der Sommersitz der Habsburger. 1870 und 1871 überwinterte Kaiserin Elisabeth von Österreich im milden Klima Merans. Heute ist hier das Tourismusmuseum untergebracht. Die Gärten von Schloss Trauttmansdorff begeistern heute durch ihr mediterranes Flair, zum Beispiel mit dem nördlichsten Olivenhain Italiens. Über 80 verschiedene Gartenlandschaften bieten eine einzigartige Verbindung von Kunst und Natur. Erlebnisstationen wie die spektakuläre Aussichtsplattform von Matteo Thun, saisonelle Blütenhöhepunkte und die umgebende Bergwelt machen den Garten zu einem der schönsten botanischen Gärten der Welt. Dies ist auch der Ausgangspunkt des „Sissi-Weges“ nach Meran, der über den Kaiserin-Elisabeth-Park und der sich dort befindenden marmornen Sissi-Statue an die Innenstadt-Promenade führt und der laut Fremdenverkehrsprospekt „sich auch mit Kinderwagen oder im Rollstuhl mühelos bewältigen lässt“.
 
Doch auf diesen Weg will ich jetzt nicht promenieren. Nachweislich war Elisabeth von Österreich ein Lauf- und Konditionswunder und so darf die Wanderung schon ein wenig wehtun. Ob sie genau diesen Weg gegangen ist, konnte ich nicht in Erfahrung bringen, wahrscheinlich ist es aber.
 
Der Weg beginnt oberhalb von Schenna an der halbstündlich verkehrenden Seilbahn „Taser“, die mich bequem zu den Taser-Höfen hinaufbringt. Von dort geht es links auf einen ebenen, gekiesten Forstweg Richtung Streitweider Alm (1 Stunde). Auf dem letzten Abschnitt verengt sich der Weg zu einem Pfad und führt merklich bergan. An der Streitweider Alm (Einkehrmöglichkeit) hält man sich rechts am Gatter entlang Richtung Oswaldscharte (1 Stunde). Der zunächst gut begehbare Pfad führt unterhalb der steil abfallenden Wände durch lichte Fichten- und Föhrenwälder und schlängelt sich nach ca. einer halben Stunde in Serpentinen durch die Geröllfelder des Iflinger und des Verdinser Plattenspitz. Hier kann es im Sommer ganz schön warm werden.
 
Bis hierher ist man zumeist kaum einen anderen keinen Menschen begegnet. Das ändert sich aber an der Oswaldscharte. Wer „nomen est omen“ einen schmalen Übergang erwartet hat, ist baß erstaunt. Man steht auf einer breiten gekiesten Forststraße und sieht, zumindest an den Wochenenden, einen nicht endenden Strom von Menschen, die sich von der Bergstation des Winterskigebiets „Meran 2000“ die Straße hinauf bewegen, um die grandiose Aussicht auf die Dolomiten und die waldfreien Wiesenhänge der umliegenden Almen zu genießen. Der sich von der Meraner und Schennaer Seite so schroff zeigende Iflinger erweist sich hier als leicht zu besteigender Grashang, der immerhin die stolze Höhe von 2581m erreicht. In einer halben Stunde ab Oswaldscharte ist er begangen. Lediglich die letzten 30 Meter des Großen Iflinger sind seilversichert. Auch wenn der Aufstieg so leicht aussieht: 2 Schritte zur Seite und man erkennt, warum der Berg von unten so imposant aussieht. Mit weniger Gedränge und wesentlich windgeschützter hat man das gleiche Bergerlebnis am Kleinen Iflinger (30 Meter niedriger, dafür keine Kletterei).
 
Nach einer Ruhepause am Berg oder in der Almwirtschaft „Kuhleiten“ beginnt der Abstieg entlang einer Abbruchkante rechts Richtung Bergstation „Meran 2000“. Der Weg ist zwar nicht gekennzeichnet und war auch nicht auf meinen Karten verzeichnet, zweigt aber gut sichtbar 150 Meter unterhalb der Gipfels ab. Von hier aus geht man bequem und in einer halben Stunde zum Naifjoch. Dort gibt ein Hinweisschild, dass der Weg (Nr. 18) zur Ilflinger Scharte alpine Erfahrung voraussetzt. Er ist jedoch, ohne sich arg zu überwinden zu müssen, durchgänig gut begehbar, man sollte ihn ihn aber dennoch konzentriert und mit genügend „Körnern“ gehen. Auf der Karte ist er nahezu eben eingezeichnet, doch führt er anfangs nach unten, ab der Weggabelung des „3er“ Weges steigt er wieder entlang des Kessels der Rotwand und des Iflingers beständig steil an, die sich hier wieder von ihrer schroffen Seite zeigen. Viele Steinreißen sind zu durchqueren, einige Stellen, vor allen im oberen Abschnitt sind auch seilversichert. Hier ist auch eine Kapelle, die der vielen – es sind wirklich viele – Toten gedenkt, die hier ihr Leben gelassen haben – das Hinweisschild ist also nicht grundlos angebracht worden.
 
Hatte man bisher keinen „Gegenverkehr“, so bekommt man spätestens an der Iflinger Scharte wieder Gesellschaft. Viele Halbschuhtouristen nehmen den raschen Anstieg von der Iflinger Hütte auf sich, um den Ausblick zu genießen. In 20 Minuten ist man bei einem warmen Essen und einem kalten Bier (Gesamtgehzeit Naifjoch-Iflinger Hütte 2 Stunden). Nach einer ausgiebigen Ruhepause, am Wochenende auch bei Lifemusik, geht es durch den Wald gemächlich bergab Richtung Taser. Nach einer weiteren Stunde Gehzeit kann man sich hier in der Wirtschaft die Wartezeit auf die Gondel verkürzen.
 
Die Gesamtgehzeit beträgt ca.6-7 Stunden, mit jeweils 1400 auf- und abgestiegenen Höhenmetern. Da es die Sielbahn im 19. Jahrhundert noch nicht gab, kamen auf Sissi und ihre unwilligen Begleiter noch die unschönen Auf- und Abstiege nach Schenna hinzu (weitere 2 Stunden.
 
Wer jetzt rechtschaffen müde ist, weiss warum. Muss man sich aber jetzt auf Herbergssuche begeben, erlebt man einen recht burschikosen Umgang mit Tagestouristen. Ist man doch gnädig aufgenommen worden und hat in seiner Unterkunft keine Sauna oder ein Schwimmbad sollte man sich unbedingt in der Therme Meran erholen. In dem schwarzen Quader der Theme gibt es unzählige Innen- und Außenbecken, verschiedene Saunen und zubuchbare Anwendungen (wie Massage etc.). Zum Entspannen gibt es hier schalldichte Glaskuben, wenn man denn darin einen Liegeplatz ergattern kann. Ausklingen kann man den Tag im altehrwürdigen Restaurant Sigmund schräg gegenüber der Therme.
 
Auf Sissis Spuren kann man sich natürlich auch per Rad (Via Claudia Augusta – Link zu den Schwabenkindern) und Auto bewegen. Der italiensche Teile der „Sisi-Straße“ beginnt auch am Schloß Trauttmannsdorff. In unmittelbarer Nähe befinden sich Schloß Rametz, in dem eine Önotek und ein Weinmuseum untergebracht ist, und Schloss Labers, das heute wie damals als Hotel dient. Beide sind zu besichtigen. Schloß Goyen, das Reichsrüstungsminister Albert Speer 1944 für seine Genesung enteignen ließ, ist nach 62 Jahren endlich wieder in den Händen seiner holländischen Besitzer. Die Einheimischen können sich mit der Restitution des größten landwirtschaftlichen Guts von Schenna nicht anfreunden, zumal ein Ortsansässiger den Besitz über Jahrzehnte bewirtschaftet hatte.
 
Über den südlich von Meran gelegenen Wintersportort Madonna di Campiglio gelangt man weiter in Richtung Süden fahrend nach Levico Terme. Das heutige „Imperial Grand Hotel Terme“ war eine der Sommerresidenzen der Kaiserfamilie, in der sich die Kaiserin öfters aufgehalten hat. Ihr Zimmer kann man, so es nicht belegt ist, auch besichtigen. Ein weiteres Hotel des oberen Preissegments ist das „Ressort & Spa Principessa Sissi“. Levico Terme, das wegen seines arsen- und eisenhaltiges Wasser zum Kurort wurde, ist noch einer der wenigen Orte, in denen sich der Baustil der k. und k. Donaumonarchie weitgehend erhalten hat und so tiefe Einblicke in das Lebensgefühl dieser Epochen vermitteln kann.
 
Von hier aus folgt man der Sissi-Straße über Padua und Venedig zum Schloss Miramare bei Triest. Das Schloss hatte Kaiser Franz Josephs Bruder Maximilian errichtet. Auch er erlitt wie so viele Habsburger einen gewaltsamen Tod. Nur 3 Jahre nach seiner Inthronisation zum Kaiser von Mexiko wurde er 1867 hingerichtet. Schloss und Schlosspark sind öffentlich zugänglich. Zwischen 1869 bis 1896 hielt sich Elisabeth vor oder nach ihren Reisen über das Mittelmeer oftmals hier auf. Von hier aus ist ein Abstecher zu dem von Rilke idealisierten Schloss Duino ein absolutes Muss. Im naheliegenden Triester Hafen lag die kaiserlichen Jacht vor Anker. Das Elisabeth Denkmal in unmittelbarer Umgebung des Bahnhof und ein Ausflug nach Lippiza, dem Urgestüt der berühmten Wiener Hofpferde beschließen den Weg.
© 2017 • Dr. Hans-Jürgen Hereth • Wertschätzung