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Ötzi
Wanderung

Zu den den Saligen Frauen imSimilaun

Von Süden zur Similaunhütte:
Vernagg-Similaunhütte 3-4 Stunden. Von der Similaunhütte zum Niederjoch/Hauslabjoch (Fundstelle Ötzi) geht man ca. 1 Stunde. Abstieg ab Similaunhütte 2,5 Std.. 1x die Woche geführte Gletscherwanderung ab Gletscherbahn Kurzras (anmelden im ArcheoParc oder im Tourismusbüro Kurzras.
Auf und ab 1319 Hm. Vernagg 1700 Hm, Silimaun Hütte 3019 Hm, Hauslabjoch 3279 Hm
 
Was auf der Karte ein bloßer gerader Strich ist, der stramm durch die Höhenlinien führt entpuppt sich als überraschend schöner Weg, den man auch mangels Alternativen hoch und zurück mit wechselnden Perspektiven und Sichtachsen gehen kann. Auch die Wegstrecke Vent-Siminlaun-Vernagg ist oft begangen, erscheint mir aber wegen der Hin- und Rückfahrten als zu umständlich.
 
Einen Parkplatz findet man an der Bushaltestelle oder an der Staumauer. Von hier führt der Weg (beschildert) über eine kleine Straße zur Tisenhof, die entgegen ihres Namens ein überaus imposantes altes Holzhaus mit riesigen dazugehörigen Speicherhaus ist. Die Rast an dieser Jausenstation mit schönen Blick auf den Vernagger Stausee sollte man sich für den Abstieg als „Bonbon“ aufheben. Alternativ kann man auch kurz nach der Kirche rechts bei den 2 Bänken einsteigen. Man geht dann über den Wiesenweg zum Tisenhof. Ab hier geht es begleitet von 2 Bächen und dem grasenden Vieh auf schmalem Weg talaufwärts, das Niederjoch immer stramm im Blick. Auf dieses führte der ursprüngliche Weg.
 
Nach einer guten Stunde findet sich zur Überraschung ein Wegweiser (es geht nur geradeaus). Vor diesem findet sich ein Stein mit einer verwitterten Schrift und dem Hinweis „150 m“. Geht man diesem Hinweis nach links nach, kommt man in der Bachsenke auf das rekonstruierte „Labyrinth“ oder „Schnecke“

sog. "Schnecke", Foto HJHereth, www.fluchtwege.eu

"Schnecke" vom Berg aus gesehen, Foto HJHereth, www.fluchtwege.eu
dessen ursprüngliche Funktion nicht ganz geklärt ist. Hier wurden auch Gegenstände aus der Silex Zeit gefunden. Zurück auf dem Weg kann man in einiger Entfernung auf den großen Steinen des Talabschnitts Steinmännchen sehen. Auch die Schnecke ist von hier oben gut sichtbar. Man sollte hier nicht achtlos vorbeigehen. Die Ansammlung des Steine entpuppt sich links als niedrige Steinhütte vor der man windgeschützt einen grandiosen Blick auf den tiefblauen Stausee hat. Pause. Noch geht es ab hier in gleichmäßigen Tritt weiter aufwärts. Das Ziel ist nicht sichtbar, aber erahnbar. Rechts gehen die Masten der Materialseilbahn in den Fels und auf das Joch. Was wie ein kurzes Wegstück aussieht ist der zäheste Abschnitt. Steil geht es durch die Felsen in Serpentinen nach oben. Der Weg ist jetzt überhaupt nicht mehr schön zu gehen – er ist sehr kiesig und erdig, so daß er vor allem bei Regen sehr rutschig werden kann. Ich habe aus diesem Grund 20 Hm vor dem Joch bei Schneeregen im August den gesicherten Rückweg angetreten.
 
Obwohl ich bin kein Freund des gleichen Hin- und Rückwegs bin, gibt hier es keine oder zumindest keine zeitnahe und ungefährliche Alternative. Nichts desto Trotz eröffnet der Rückweg Perspektiven auf das Tal, die sich beim Bergaufgehen einem so nicht erschlossen haben. Auch ist der Weg überraschenderweise nicht „überlaufen“, obwohl er als Rundweg über den Meraner Höhenweg mit dem Rückweg ins Ötztal über das Timmelsjoch kombinierbar ist.
 
Von Vent zur Similaunhütte
 
Der Similaun (3606 m), der siebthöchste Berg Österreichs, wird umringt von einer ganzen Kette weiterer 3000ern. Er ist einer der technisch am einfachsten zu besteigenden. Auf dem „normalen“ Weg überquert man von Vent aus zuerst die Spiegel-Ache und geht auf einem Fahrweg oberhalb des Bachs in südlicher Richtung ins Niedertal zur Martin-Busch-Hütte.
 
Den meisten Wanderern fallen die Anhäufungen von Steinen, Höhlen und Anhöhen südlich von Vent  oder im Tisental gar nicht weiter auf. Es gibt ja so viele davon. Doch einer hebt sich entscheidend von seiner Umgebung ab: der „Hohle Stein“ (10°45Min-46°51Min), den Prof. Leitner von der Universität Innsbruck 1993 entdeckte und rekonstruierte. Sein Bau geht bis in die mesolithische Zeit zurück. Er bildet einen Unterstand für 6 bis 8 Menschen mit einer von drei Sitzsteinen umgebenen Feuerstelle. Von Vent aus kommend fällt sofort die Form des Steinblockes (Rhomboid) auf, der von Süden aus betrachtet wie ein kantiges Gesicht aussieht. Von Osten gleicht er zudem einem breiten erhabenen Thron, dessen mächtige Rückenlehne und Seitenlehnen aus dem Block gehauen wurden. Doch welche Funktion hatte er? Diente er zur Jahreszeit- und Wetterbeobachtung durch die „Weisen Frauen“ der Steinzeit, jedenfalls ist er zu Sonnenaufgang immer von dieser beschienen. Auch lassen sich von dort aus besonders gut die Ereignisse des Himmels bewundern. Am 10. August kann man so viele Sternschnuppen wie sonst nie bewundern. Der „Hohle Stein“ bildet für die Vintschgauer und Schnalser Bauern, die im Niedertal Weiderecht besitzen und ihre Herden auf der „transumanza“ über die Jöcher führen, immer noch eine Grenzmark. Auch andere Erfahrungen im Umgang mit der Natur haben sich dort über Jahrtausende hinweg tradiert.
 
Etwas weiter im Niedertal befindet sich bei Kaser die verfallene Ochsenalmhütte. Auch hier liegen geheimnisvolle Steinanordnungen, die jungsteinzeitlichen Ursprungs sind. Männliche (Menhire) und weibliche Kultsteine

Schalenstein im Schnalstal, Foto HJHereth, www.fluchtwege.eu
weisen auf den sagenumwobenen Similaun hin. Zu ihm bzw. zur unterhalb gelegenen Similaunhütte gelangt man entlang des Niederjochbach in weiteren 2 Stunden. Hier beginnt die eigentliche Hochtour: Auf meist gut ausgetretener Spur geht es über den Niederjochferner, bis zum Nordwestgrat des Similauns. Unmittelbar über der stark ausgeaperten Nordwand zieht der luftige Firngrat zum Gipfel mit einmaliger Aussicht in alle Richtungen..
 
Von dort führt ein markierter Weg in 1 Std. nordwestlich in Richtung Finailspitze zur Ötzi-Fundstelle am Tisenjoch (3210 m). Etwas unterhalb, immer noch weit oberhalb der Waldgrenze auf einer kleinen Ebene steht das sog. „Schneckenhaus“ oder Labyrinth, wie es von den Einheimischen genannt wird. Im Gegensatz zum „Hohlen Stein“ scheint seine Funktion gesichert zu sein: es ist eine steinzeitliche, wohl von Frauen benutzte Kultstätte in Form und der Art eines Bienenkorbhauses mit einer Nische im Innenraum als Trockenkammer. Von hier aus geht es über das Tisental zum Vernagtscher Stausee, weiter über Unser Frau in Schnals zum Ansitz von Reinhard Messner. 
 
In Schnals gibt es seit einigen Jahren den Archeoparc, der den Ausgangspunkt für 15 weitere archäologische Wanderwege bildet. Die stilisierte Axt aus der Ausrüstung des Mannes aus dem Eis kennzeichnet diese Wege. Die Publikation „Auf den Spuren des Mannes aus dem Eis. Schnalstal-Vinschgau-Passeiertal-Ventertal“ von Gianni Bodini, herausgegeben vom Kulturverein Schnals 1998, mit Panoramakarte und Kurzbeschreibungen gibt Auskunft über nahen archäologische Fundorte. ( Das Buch ist leider vergriffen. 2000 bzw. 2008 sollte es zu eine erweiterter Neuauflage, die aber immer noch nicht erhältlich ist).
 
ab München Bus & Bahn: Bahn über Innsbruck nach Ötztal Bhf., von dort Bus
Talort: Vent (1895 m) im hinteren Ötztal
 
Reich dokumentierte Hinweise zu den Fundstellen und Steinen: www.sililaun.net/oetzi2.htm
 
Vom 3.-18.9.2016 kann man sich von Vent durch das Niedere Tal zum Marzellferner von Schauspielern auf einem anderen authetischen Fluchtweg, dem von Herzog Friedrich IV unter dem Thema „Friedl sucht das Weite“, begleiten und unterhalten lassen.
Näheres unter http://www.wandertheater-friedl.oetztal.com/de
© 2017 • Dr. Hans-Jürgen Hereth • Wertschätzung