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Norbert Kaser
Wanderung

durch sauber aufgeräumte wälder

Die Wanderung beginnt in Flaas, dem Ort, in dem Kaser versucht hat die Bergbauernkinder für die Schule zu begeistern und er sich der Legende nach zu Tode gesoffen hat.

Flaas, Foto HJHereth, www.fluchtwege.eu
Brenner-Autobahn, Ausfahrt Bozen Süd, von hier Richtung Jenesien und weiter auf der Bergstraße nach Flaas. Alternativ kann man auch Richtung Meran fahren, auf der Schnellstraße die Ausfahrt Terlan nehmen, weiter nach Mölten und am Ortsende Richtung Flaas/Jenesien abzweigen. Nach 4 km ist man in Flaas. Entweder man parkt das Auto vor der Grundschule (gegenüber der Kirche und dem Friedhof) oder weiter Richtung Mölten nach 1,5km am Wanderparkplatz. Der Einstieg in die Wanderung ist oberhalb des Parkplatzes Richtung Oberreiterhof. Dort zweigt nach 20 Meters der Fernwanderweg E5 links ab. Diesen folgen wir durch lichte Föhrenwälder auf mäßig steilen Weg zum Möltner Joch und weiter auf nun breiteren Wegen über die Graskuppen zum Möltner Kaser. Dort wird klar wo Kasers Nachname herkommt. Seine Vorfahren waren wohl Senner, die auf den Almen im Sommer Käse produzierten.

Steinmanderln auf dem Möltner Kaser, Foto HJHereth, www.fluchtwege.eu
Der Möltner Kaser ist jedenfalls die Sennhütte der Möltner Bauern, die auf den langgestreckten Grasflächen Kühe, Pferde und Schafe weiden lassen. Hier kann man nach 1½ Stunden Gehzeit Pause machen (es gibt dort Schlechtwetter-Notschlafplätze für E5 Wanderer) oder doch erst nach einer weiteren Stunde leichten Berganstiegs am Stoanerne Mandl, einer Graskuppe, die übersäht ist Steinpyramiden. Im Windschatten einer dieser Stoan Mandln kann man den geradezu kitschig schönen Rundumblick genießen: „des is so schee, ich mächt ja glei röhrn“ – machen einige auch! Man sieht weit in alle vier Himmelsrichtungen:

Sicht vom Möltner Kaser Richtung Dolomiten, Foto HJHereth, www.fluchtwege.eu
die Dolomiten , den Iflinger und die Texelgruppe, den Ortler und wie sie alle heißen mögen. Bei soviel Panorama ist man verständlicherweise nicht allein, die E5-er trifft man ebenso wie Einheimische und touristische „Genußwanderer“. Als kritischer Mensch ist man immerzu am zweifeln ob man das hier oben nun einfach nur toll finden soll und genießen es kann, oder ob es zu schön ist, um es vorurteilsfrei erleben zu können.
 
Weiter geht es rechterhand an einer aufgeschichteten „Kleinsiedlung“ vorbei bergab auf einem auf 300 m neutrassierten Weg Richtung Putzenkreuz (1 Stunde ab Mandln). Die dortige neugebaute Wirtschaft kann man getrost vorübergehen lassen. Ab hier zweigt der Weg rechts in den Wald Richtung Jenesier Jöchl (wobei dies auf fast jedem Schild hier oben steht) und Hauserberg (Hauser Berg)-Alm (1 weitere Stunde). Die Einkehr und den Blick von hier aus sollte man sich nicht entgehen lassen. Die Hauserberg-Alm ist eine der wenigen alten Almen der Gegend, die erhalten geblieben sind. Den Namen der dort weidenden Eselsrasse mit den auffälligen schwarzen Halsstreifen konnte mir aber leider keiner auf der Alm sagen.
 
Von hier aus gibt es 2 Alternativen: Für die Sicherheitsgeher den Weg rechts zum Jöchl (1 ½ Stunden) und weiter über Kampidell nach Flaas/Parkplatz oder den unmarkierten Abenteuerweg. Ich bin letzteren gegangen, auch wenn sich dieser im nachhinein betrachtet als ein rechter „Zieher“ erwiesen hat.
 
Der talwärts führenden Forststraße folgend, den Blick auf Berge und Wiesen gerichtet geht man bis zur zweiten Kreuzung gehen. Auffällig an ihr ist die große Wildfütterung rechts, links der Straße befindet sich eine Almhütte. Jetzt rechts und dann gleich wieder links der Kiesstraße bergab folgen. Nachdem man die Wiesen verlassen hat geht man durch sehr „aufgeräumte“ Lärchenwälder. Alle Zweige und Äste sind sorgfältig zu kleinen und größeren Häufen geschichtet, umgestürzte Bäume fehlen völlig. Der Anblick irritiert etwas. Auf Nachfrage wurde die Maßnahme damit begründet, dass wegen der Waldbrandgefahr die Äste nicht mehr wie früher im Wald verbrannt werden dürfen, sondern in Haufen verrotten müssen.
 
Nach einigen zu durchlaufenden Gattern kommt man bei einen Bergbauernhof mit Sicht auf den Weiler Kampidell heraus. Von dort auf der Teerstraße weiter bis zur nächsten Abzweigung. Hier links in einem kurzen Anstieg den Berg hinaus zum Larcher Hof. Diese erkennt man an den beiden hohen Pfeilern links und rechts des Tores (Shiloh Ranch). 2 Gatter übersteigend erkennt man rechts vor dem Haus der Weideumgrenzung folgend einen alten Wirtschaftsweg, der in den Wald führt. Diesen immer weiter geradeaus folgen, nicht links oder rechts abbiegen. Man kommt bei einer Ansiedlung mit einigen Häusern heraus (Thaler). Nach wenigen Minuten kommt man zur Straße nach Kampidell. Hier unbedingt den kleinen Anstieg rechts nachgehen. Der Weiler mit seinem Ansitz ist einer der schönsten die ich in Südtirol gesehen habe. Von hier geht es auf einem alten Wirtschaftsweg steil durch den Wald Richtung Lanzenschuster. Ab dort ist auch erstmals Flaas ausgeschildert. Hat man das Auto auf dem Wanderparkplatz stehen, muss man sich an der Straßengabelung rechts halten, ansonsten geht es links hinunter nach Flaas.
 
Nach 6 Stunden Gehens ist man froh, dass man ein Auto dabei hat und weg kann. Das Straßendorf besteht aus ein paar Häusern, der ziemlich großen Grundschule, der Kirche und der nun geschlossenen Wirtschaft gegenüber. Hier saß Kaser oft bei Schnaps und Roten. So schön das Panorama ist, der Ort und die örtliche Gemeinschaft ist eng, für Außenstehende und Zwangsversetzte vielleicht zu eng. Dass man hier, vor allen im Winter, abgeschieden von aller Kultur den Blues bekommen kann, ist verständlich, um so mehr, wenn man eh schon depressiv veranlagt ist. Da kann man sich nur zusaufen.
 
Info:
Die Firma Moessmer in Bruneck wird in allen Hinweisen zu Kaser immer klein geredet, dabei ist sie eine weltweit agierende Tuchfabrik mit Schwerpunkt auf Loden, die vornehmlich für die italienische und französische Pret-a-Proter arbeitet. Der angegliederte Laden ist besuchenswert! Auch die Portierloge gibt es noch.
© 2017 • Dr. Hans-Jürgen Hereth • Wertschätzung